Archiv für die Kategorie ‘Geschichts- und Layoutkurs’

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Zeitzeugeninterview mit Frau Weber


14.10.
2013

Während sich das Projekt „Bedenken I“ vor allem auf die Geschichte der Zeitzeugen konzentrierte, die zeitweilig auf der Bautzner Straße inhaftiert waren, wollen wir uns mit „Bedenken II“ auch auf die Perspektive von Angehörigen, Bekannten und Freunden dieser Inhaftierten beziehen, da oft vergessen wird, dass auch sie unter der Abwesenheit des geliebten Menschen und der Ungewissheit, was mit diesem passiert ist, litten und darüber ihre ganz eigene Geschichte erzählen können.

Dass diese Geschichten nicht nur wichtig sind, um die Vergangenheit besser verstehen zu können, sondern auch ungeheuer interessant, bewegend und inspirierend, habe ich bei dem Interview mit Frau Weber am eigenen Leib erfahren.

Gertrud Weber war bis zur achten Klasse Schülerin von Herrn Wagner an der Schlossbergschule in Döbeln. Dieser wurde 1951 verhaftet und ins sowjetische Gulag gebracht. Er kehrte erst 1955 nach Deutschland zurück.

Doch die Geschichte von Frau Weber und Herrn Wagner war mit ihrem Abschluss der achten Klasse noch nicht vorbei. Die zwei begegneten sich durch Zufall 1956 in Berlin wieder, wo Herr Wagner nach seiner Freilassung unter anderem mit Frau Webers Bruder studierte.

Nach diesem Ereignis sahen sich die zwei häufig und so konnte uns Frau Weber einen sehr guten Einblick in die Persönlichkeit und Ansichten Herrn Wagners geben, wie sie diesen als Schülerin und später nach seiner Entlassung wahrgenommen hat.

Obwohl die Grundintentionen des Projektes genau diese Informationen sind, finde ich persönlich Fälle wie Frau Weber ungeheuer spannend, da sie uns nicht nur über Herrn Wagner berichtet hat, sondern sie auch viele Geschichten aus ihrem eigenen Leben erzählte. Ich finde es sehr faszinierend zu erfahren, wie unendlich viele Geschichten und Lebenswege es auf dieser Welt gibt, denn genau das macht das Leben zum einen lebenswert und zum anderen interessant. Außerdem geben solche Geschichten Hoffnung, reißen mit und zeigen, was alles möglich ist.

So erzählte uns Frau Weber zum Beispiel, wie sie ihren Mann kennenlernte, welche Hürden sie überwinden musste und schließlich in den Westen auswanderte und wie sie heute lebt. Sie hat für mich eine sehr inspirierende sowie bewundernswerte Sicht auf die Welt und Lebenseinstellung und ich kann nur sagen, dass ich mich freuen würde, als ältere Dame ebenso lebensfroh, positiv und stark durchs Leben zu gehen, egal wie schwer es manchmal ist.

Das Interview selbst habe ich als sehr entspannt empfunden. Nachdem wir uns nach anfänglichen Schwierigkeiten endlich in der Gedenkstätte gefunden und es uns bequem gemacht hatten, ging es nach einem kurzen Einführungsgespräch auch gleich mit dem Interview los.

Viele Zeitzeugen, die aus ihrer Sicht über inhaftierte Freunde, Bekannte oder Angehörige mit uns sprechen, glauben zuerst, ihre Informationen und Geschichten seien nicht so wichtig oder interessant. Diese Unsicherheit hatte erst auch Frau Weber, doch schon bald fiel alle Anspannung und alle Bedenken von ihr ab und sie erzählte weit mehr, als das, wonach ich gefragt hatte, was das Interview sehr aussagekräftig, spannend und locker machte, da sie von sich aus auch viel über sich selbst erzählte.

Manchmal war es sogar sehr schwer, überhaupt meine Fragen zu stellen, da ich sie nicht unterbrechen wollte, aber wir ansonsten wahrscheinlich noch viel länger für das Gespräch gebraucht hätten, als die ohnehin schon zweieinhalb Stunden.

Wir erhielten sowohl interessante Informationen über Herrn Wagner, als auch einen, wie ich schon sagte, sehr guten Einblick in Frau Webers eigene Lebensgeschichte.

Nach dem Interview unterhielten wir uns noch kurz, schossen einige Erinnerungsfotos und dann machte sie sich auch gleich auf den Rückweg nach Döbeln, wo sie vor unserem Interview ein Klassentreffen eben mit der Klasse, die Herr Wagner damals unterrichtete, gehabt hatte.

Insgesamt werde ich dieses Treffen in guter Erinnerung behalten und hoffe, dass ich später auch mal so viel Schönes, Trauriges, Spannendes und Inspirierendes über mein Leben erzählen kann und auch noch so agil bin wie Frau Gertrud Weber.

Autorin: Jana Frenzel

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Zeitzeugeninterview mit Frau Grötschla


14.10.
2013

Am Freitag den 7. Juni 2013 war das Interview mit Frau Grötschla. Dafür durfte ich eher aus der Schule gehen und bin auf Umwegen mit dem Ersatzverkehr zur Gedenkstätte gelangt. Auf der Fahrt zur Angelikastraße bin ich noch einmal die Interviewfragen durchgegangen, um meine Aufregung ein wenig zu mindern. In der Gedenkstätte traf ich dann auf Heiko und Mate, mit denen ich noch einmal den groben Ablaufplan des Nachmittags durchsprach. Mit dem Filmzubehör in den Händen ging es dann auf die andere Straßenseite zu einer Villa, wo Frau Grötschla untergebracht war. Der Vermieter öffnete uns die Tür zur Wohnung von Frau Grötschla, da wir die Klingel im unteren Eingangsbereich nicht gesehen hatten. Dann sah ich das erste Mal meine Interviewpartnerin, von deren Größe ich ziemlich erstaunt war. Mir stand eine, an meiner Größe gemessen, sehr kleine Frau gegenüber, welche es jedoch faustdick hinter den Ohren hatte.

Während Heiko und Mate die Interviewlocation aufgebauten, unterhielt ich mich ein wenig mit Frau Grötschla und lernte sie so näher kennen. Unser Gesprächsthema war überwiegend die Schule, bei dem sie auch einige Dinge über ihre Enkel einwarf. Ich musste prinzipiell lauter sprechen, da sie nicht mehr so gut hört. Daran musste ich mich erst gewöhnen. Das Interview an sich verlief recht unkompliziert, da sie auf meine erste Frage anfing, alles zu erzählen, was ich im Telefonat Wochen zuvor wissen wollte. Ich musste ihr nur zuhören und die beantworteten Interviewfragen gedanklich abhaken. Selbstverständlich hat sie nicht alle meine Fragen mit ihrer Erzählung beantwortet. Als ich sie auf die Rückkehr ihres Bruder ansprach und sie mir schilderte, in welchem Zustand er sich befand, bekam Frau Grötschla glasige Augen. Dieser Moment sprach für sich. Es bedurfte keinerlei Nachhaken meinerseits. Als ich sie auf ihre Sicht zur SBZ bzw. DDR ansprach, fragte sie forsch zurück: „Hast du das nicht schon genug rausgehört?“ Dennoch fing sie an zu erzählen. Sehr erstaunt war ich über ihren Vergleich zwischen dem SED-Regime und dem Nationalsozialismus. Sie zeigte mir Parallelen der beiden Systeme auf, zu denen sie durch ihr persönliches Schicksal gekommen ist, die mir als Schülerin vorher gar nicht bewusst waren.

Nachdem ich all meine Fragen an sie gerichtet hatte, tauschte ich mit Heiko die Plätze und er stellte noch Fragen, die aus dem Gespräch heraus entstanden sind. Als alles im Kasten und die Kamera abgebaut war, überreichten wir Frau Grötschla noch ein kleines Präsent und luden sie in die Gedenkstätte zu einer kurzen Führung sowie Kaffee und Kuchen ein. Ich ging mit ihr lediglich in den Fuchsbau, da die vielen Treppen zum anderen Teil der Bedenkenausstellung in der 3. Etage für sie nicht mehr zumutbar waren. Während des Ganges erzählte ich ihr ein wenig über unser Projekt und über die Räume, in denen wir uns bewegten. Sie sagte immer wieder: „Furchtbar, furchtbar ist das.“ Ich konnte ihr nur zustimmen. Als wir vor der Biografie ihres Bruders standen, sagte sie: „Den kenn ich doch!“ mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht. Nachdem Heiko und Mate uns in den Kellern gefunden hatten, übernahm Heiko die kleine Führung. Im Anschluss folgte ein interessantes Kaffeetrinken bei dem wir uns unter anderem über Mohn, Muskelkrämpfe und Krankenkassen unterhielten. Am Ende des Nachmittags wurde noch ein Abschlussfoto von mir und Frau Grötschla geknipst. Wobei man allerdings sagen muss, dass es nicht annähernd nur ein Foto war und man somit den Satz von Frau Grötschla „So viel wurde ich noch nie in meinem Leben fotografiert.“ als Schlusssatz stehen lassen kann.

Autor: Annalena Reich

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Zeitzeugeninterview mit Herrn Dr. Cüppers


09.10.
2013

Das Interview mit Dr. Peter Cüppers führten wir am 23. Mai 2012 in einer Dresdner Schule, die er als Jugendlicher besucht hatte und in der Erich Kästner früher als Seminarist Unterricht hielt. Das Gebäude überstand den 2. Weltkrieg. Heute befindet sich dort die Waldorfschule Dresden.

Vor dem Interview hatten wir leider keine Gelegenheit, mit Herrn Cüppers zu sprechen. Das störte aber nicht weiter, denn Herr Cüppers erzählte so umfassend, dass er die meisten Fragen schon mit in seinen Ausführungen beantwortete, noch bevor wir die Fragen überhaupt stellen konnten. Man konnte ihm anmerken, dass er sich gut auf das Interview vorbereitet hatte.

Zunächst führte er uns gedanklich zurück in die Zeit seiner Jugend und wie er über sein Interesse an Motorrädern zur Hitlerjugend kam. Weiterhin berichtete er von seiner späteren Verhaftung durch die neue ostdeutsche Polizei, die anschließende Internierung in das Speziallager Bautzen und den täglichen Überlebenskampf, den er in Bautzen und weiteren Speziallagern durchmachen musste. Trotz der Ernsthaftigkeit seiner Erlebnisse baute er in seine Schilderungen auch lustige Begebenheiten ein und versuchte immer etwas auf Abstand zu bleiben von dem, was er erzählte. Doch mansche Erlebnisse schmerzten auch nach über 65 Jahren noch zu sehr, die es quasi unmöglich machten, seine Emotionen zu verbergen.

Eine kleine Herausforderung, die es während des Interviews gab, war, dass Herr Cüppers nicht mehr so gut hörte. Darauf konnte ich mich jedoch schnell einstellen und erlebte die Gesprächsatmosphäre als sehr angenehm. Ich finde es auch beachtlich, dass er seine Erfahrungen so gut verarbeiten konnte und sich jetzt mit seinen über 86 Jahren immer noch damit beschäftigt. Herr Cüppers ist für sein Alter körperlich fit und geistig aktiv; so führt er beispielsweise noch heute seine eigene Firma und kümmert sich als aktiver Autor bei Wikipedia darum, dass zeitgeschichtliche Artikel nicht von Menschen mit extremistischen Gedankengut verfälscht werden. Wir sind sehr dankbar, dass wir mit Herrn Cüppers solch ein interessantes und spannendes Interview führen durften und wünschen Ihm alles Gute.

Autor: Thorben Richter

Interview in der Waldorfschule DresdenDr. Peter Cüppers

Vor der SchuleHelene und Thorben zusammen mit Herrn Dr. Cüppers

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Exkursion nach Sachsenhausen


05.06.
2013

„Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten….“

Ich habe das Lied immer noch im Ohr, denn ich hörte es aus dem Munde eines Überlebenten des Konzentrationslagers in Sachsenhausen. Wahrscheinlich kennt der Eine oder Andere das Moorsoldatenlied, jedoch ohne damit ein bestimmtes Gefühl zu verbinden. Auch wenn wir uns nicht wirklich vorstellen können, was die inhaftierten Menschen in dem Lager zur Zeit des Nationalsozialismus (Konzentrationslager) und der Sowjetischen Besatzungszeit bzw. frühen DDR (Speziallager) erlebt haben, so verbinde ich mit den Strophen des Liedes nun eine ganz konkrete Empfindung.

Als wir gemeinsam an einem Freitagnachmittag des vergangenen Monats mit dem Zug von Dresden in Richtung Oranienburg aufbrachen, um die Gedenkstätte und das Museum Sachsenhausen zu besuchen, hatten wir sehr unterschiedliche Vorstellungen, was uns erwarten würde. Nach unserer Ankunft in der Jugendherberge Sachsenhausen, die sich in direkter Nähe zur der Gedenkstätte befindet und als ehemaliges Wohnhaus des Generalinspekteurs aller Konzentrationslager heute als internationale Jugendbegegnungsstätte genutzt wird, sprach noch am selben Abend der Filmkurs, der die Exkursion vor allem dokumentarisch begleitete, mit einigen Teilnehmern darüber, was sie auf dem Gelände der Gedenkstätte Sachsenhausen erwarten würde. Ich glaube die Spannung lag in der Aufarbeitung und dokumentarischen Darstellung zweier unterschiedlicher Lager und der Versuch zu verstehen, worin eigentlich der Unterschied in den beiden Lagern lag. Viele besuchten zum ersten Mal ein ehemaliges KZ bzw. Speziallager und wussten gar nicht, ob und wie sehr sie solch ein Ort berühren würde.

Unsere Führung begann am Samstagmorgen in der Jugendherberge. Wir liefen als Gruppe durch das Gelände des ehemaligen KZ. Bereits von weitem sahen wir einen Turm, auf dessen Fassade rote Dreiecke angebracht waren. Zu DDR-Zeiten prägte er als Wahrzeichen die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen, wie das ehemalige KZ-Gelände damals hieß. Später erfuhren wir, dass jeder Häftling in einem KZ solch ein Dreieck auf seiner Häftlingskleidung tragen musste. Je nach Verhaftungsgrund eine entsprechende Farbe. Die roten Dreiecke standen für „politische Staatsgegner“. Daneben gab es aber auch noch viele andere Häftlingsgruppen, deren Farben auf dem Turm jedoch nicht auszumachen waren. Die DDR kaschierte somit, dass auch Häftlinge aus anderen Gründen, z. B. europäische Juden, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, Kleinkriminelle, evangelische und katholische Geistliche, Sinti und Roma, sogenannte Asoziale, Kinder aus den Medizinexperimenten und Sozialdemokraten hier eingesperrt wurden.

Durch zwei tschechische Zeitzeugen, die im KZ gefangen waren, wurde mein Bild von den Lebensumständen eindrücklicher und bedrückender. Zwei Leute aus dem Filmkurs konnten den zweiten Zeitzeugen interviewen und er erzählte ausführlich über sein Leben im KZ. Als er am Ende noch zwei Lieder sang, die er von  deutschen, politischen Häftlingen gelernt hatte, konnte ich für einen Augenblick wirklich die Stimmung mitfühlen. Man weiß nicht, wie viel Wissen über solche grausamen Umstände man überhaupt aufnehmen kann.

Aus der Zeit des KZ stehen noch zwei Baracken, die den Lebensraum der Häftlinge darstellen. Zum Speziallager erfuhren wir in der Führung, dass die Gründe der hohen Todesraten keine Morde waren, wie im KZ, sondern dass die Menschen erfroren und verhungerten. Wir hätten uns gerne noch mehr mit der Thematik des Speziallagers beschäftigt, doch es fehlte die Zeit, alles zu erfassen. Es gab zu dem Speziallager einen eigenen Bereich und eine Ausstellung, die sich viele genauer anschauen wollten. Gerade weil die Eindrücke vor Ort noch mehr Interesse weckten, hätten wir gern noch mehr Zeit gehabt, um mehr zu erfahren.

Autorin: Helene Nowitzky

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Das “Gelbe Elend”


17.04.
2013

1945 richteten die Sowjets in der leerstehenden Landestrafanstalt Bautzen das Speziallager Nr. 4 ein. Als Entnazifizierungslager geplant, nutzte man es jedoch vorrangig für die Internierung tatsächlicher und vermeintlicher politischer Gegner.
Ab dem Spätsommer 1946 wurden neben Internierten zusätzlich zahlreiche SMT-Verurteilte in die schon stark überfüllte Einrichtung eingesperrt. Ein Jahr darauf gab es eine große Deportation von Gefangenen in Zwangsarbeitslager der Sowjetunion. Dies war nicht der Regelfall, denn die Speziallager waren keine Arbeitslager. Zudem waren die Insassen unterernährt und nur bedingt zum verrichten schwerer Tätigkeiten geeignet.
Bis 1950 durchliefen ca. 27 000 Häftlinge das Speziallager in Bautzen. Der Lageralltag war durch schlechte hygienische Bedingungen, Krankheiten, Hunger und ständige Überbelegung gekennzeichnet. Hinzu kam, dass die Häftlinge zur Untätigkeit gezwungen waren. Ein Großteil der Abläufe wurde von der deutschen Lagerselbstverwaltung kontrolliert. Mit dieser musste man sich gut stellen, um einen attraktiven Posten oder eine spezielle Aufgabe zu erhalten, wodurch man seine Überlebenschancen erhöhen konnte und Abwechslung im eintönigen Alltag bekam. Die sowjetische Lagerleitung griff bei der Vergabe von Posten innerhalb der deutschen Lagerselbstverwaltung häufig auf ehemalige Angehörige des BDM oder der HJ zurück, die Erfahrungen im Anleiten und Organisieren besaßen.
Bis Dezember 1945 war der Austausch von Paketen am Lagerzaun erlaubt, dann wurde den Gefangenen jeglicher Kontakt zu ihren Angehörigen verboten.
Zum Ende der Entnazifizierung 1948 wurde nur die Hälfte der Häftlinge entlassen, die übrigen blieben bis 1950 in Bautzen, von denen aber ein Teil in den Waldheimer Prozessen zu noch längeren Haftstrafen verurteilt wurde und wieder in das Internierungslager in Bautzen, das inzwischen als Strafvollzugsanstalt an die Deutsche Volkspolizei übergeben worden war,  zurückkehrte.
Am 13. März 1950 kam es zu einem Häftlingsaufstand, auf den die Gefängnisleitung mit Versprechen reagierte, welche aber nicht eingehalten wurden, woraufhin am 31. März ein Hungerstreik begann. Dieser wurde blutig niedergeschlagen. Es gelangten aber zwei Briefe von Häftlingen an die SPD in den Westen, so dass erstmals die Öffentlichkeit auf die grauenhaften Zustände aufmerksam wurde.
Im Zuge der Entstalinisierung ab 1954 wurden die SMT-Verurteilten in den Befugnisbereich der DDR-Behörden übertragen. Danach gab es viele Urteilsaufhebungen, so dass 1956 mit den letzten Entlassungen die Ära der Speziallager zu ende ging.
Das Gelbe Elend wurde von der DDR als Strafvollzugseinrichtung weitergenutzt und untersteht seit 1990 dem Freistaat Sachsen, der es weiterhin als Justizvollzugseinrichtung betreibt.
Dem Lageralltag fielen insgesamt ca. 3000 Internierte zum Opfer, die auf dem nahe gelegenen „Karnickelberg“ anonym vergraben wurden.

Autor: Thorben Richter

Aufnahme von Exkursion in Bautzen IIAufnahme von Exkursion in Bautzen II

Aufnahme von Exkursion in Bautzen IIAufnahme von Exkursion in Bautzen II

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Speziallager


04.02.
2013

Speziallager waren in der DDR ein Tabuthema unter vielen. Doch auch noch nach der Wende ist den Meisten wenig über dieses Thema bekannt. In der sowjetischen Besatzungszone wurden insgesamt zehn Speziallager für die Internierung von NS-Funktionären und Kriegsverbrechern eingerichtet. Dies geschah 1945 durch den NKWD-Chef Lawrentij Berija, der mit dem Befehl Nr. 00315 die Grundlage für die Internierung von Funktionsträgern des NS-Regimes schuf. Die Verhaftungen gingen jedoch weit über das Ziel der Entnazifizierung hinaus, denn der Befehl war so pauschal formuliert, dass jeder hätte eingesperrt werden können. Und so internierte man die Menschen ohne richterliche Prüfung und ohne Unterscheidung der tatsächlichen Funktion im NS-System. Die sowjetische Besatzungsmacht konnte so leicht „politisch unliebsame“ Personen „wegsperren“. Eine Internierung hatte fatale Folgen, denn obwohl die Speziallager weder Vernichtungs- noch Arbeitslager waren, starb ca. ein Drittel der Häftlinge während ihrer Haftzeit. 1946 wurde zusätzlich ein Teil der SMT-Verurteilten in die häufig schon stark überfüllten Speziallager eingewiesen. An der Verhaftungspraxis änderte auch die Direktive Nr. 38 des Alliierten Kontrollrats nichts, wonach zwischen aktiven und nominellen Mitgliedern der NSDAP unterschieden werden sollte. So ist ca. ein Drittel aller Verhaftungen nicht auf eine Tätigkeit im NS-Regime zurückzuführen.

Ein Großteil der Speziallager wurde 1947 aufgelöst, nur Buchenwald, Sachsenhausen und Bautzen blieben bestehen. Eigentlich waren große Deportierungen nach Sibirien zu Arbeitseinsätzen geplant, die aufgrund der starken Unterernährung der Häftlinge nicht realisierbar gewesen wären. Neben der miserablen Versorgung mussten die Insassen noch mit weiteren Repressalien kämpfen. So wurden sie ohne eine  Benachrichtigung der Angehörigen interniert und es war ihnen aufgrund der Briefzensur u.a. verboten, über ihren wahren Gesundheitszustand zu berichten. Um die Zensur zu umgehen, konnte man aber einen Trick anwenden und den eigenen Gesundheitszustand mit dem eines toten Bekannten, von dem die sowjetischen Kontrolleure nichts wussten, vergleichen. Auch nach ihrer Entlassung waren die Häftlinge zum Schweigen verurteilt. Bei der Auflösung der 3 letzten Speziallager im Jahre 1950 wurde ein Großteil entlassen. Etwa 3500 wurden bei den “Waldheimer Prozessen” in Schnellverfahren von der DDR-Justiz zu weiteren Haftstrafen verurteilt. Jene, die bereits von einem SMT verurteilt wurden, wurden zur Verbüßung ihrer Strafe zusätzlich dem MdI der DDR übergeben. Dabei handelte es sich um mehr als 10.000 Menschen.

Quelle: http://www.politische-bildung-brandenburg.de/publikationen/pdf/nkwd.pdf (Jörg Morré: Einleitung – Sowjetische Internierungslager in der SBZ)

Speziallager Bautzen, "Gelbe Elend"

Autor: Thorben Richter

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Exkursion nach Bautzen im Dezember letzten Jahres


04.02.
2013

Ende vergangenen Jahres unternahmen die Teilnehmer des BEDENKEN Projekts eine Exkursion an die Gedenkstätte Bautzen. Ziel der Exkursion war es, sich am authentischen Ort mit der Thematik der Speziallager, insbesondere dem Speziallager Bautzen, aktiv auseinanderzusetzen. Authentischer Ort ist jedoch nicht ganz richtig. Denn an dem Ort der heutigen Gedenkstätte existierte kein Speziallager, sondern ein sowjetisches Untersuchungsgefängnis, das später die Volkspolizei der DDR bis 1990 als von der Stasi kontrollierte Strafvollzugseinrichtung führte. Das eigentliche Speziallager, „Gelbe Elend“ genannt, befand sich am Rande der Stadt Bautzen und wird heute noch als Justizvollzuganstalt genutzt. Ein Ausstellungsteil innerhalb der Gedenkstätte ist jedoch dem Speziallager gewidmet. Bei den Schülern führte diese räumlich Trennung zunächst zu kleinen Verwirrungen, aber innerhalb des 3stündidigen Workshops konnten diese schnell geklärt werden. Daneben beschäftigten sich die Teilnehmer anhand ausgewählter Haftschicksale mit den Haftbedingungen und  Lebenswegen von ehemaligen Inhaftierten des Speziallagers Bautzen. Auch wenn die Teilnehmer u.a. durch ihre Erfahrungen mit Zeitzeugen einen viel tieferen und intensiveren Zugang zu dieser Thematik besitzen als gleichaltrige Mitschüler und Freunde, so wurden sie doch mit sehr viel neuen Dingen konfrontiert, die das grausame Vorgehen des sowjetischen Repressionsapparates dokumentieren. Wir bedanken uns recht herzlich bei den Mitarbeiten der Gedenkstätte Bautzen für den sehr interessanten Workshop, dessen Eindrücke eine wichtige Grundlage für zukünftige Interviews sein werden, in denen die Teilnehmer auch wieder die Frage nach den Angehörigen von ehemals Inhaftierten stellen werden, deren Liebsten von einem auf den andern Tag spurlos in sowjetische Gefängniszellen verschwanden.

Wegweiser zu GedenkstätteEingang zur Gedenkstätte

Workshoparbeitselbständiges Arbeiten in der AusstellungHörstele in einer rekonstruierten ZelleAbschlussfoto

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Interviewbericht mit dem Ehepaar Jenkner


20.12.
2012

Am Montag, den 15. Oktober 2012, interviewten wir Herrn Prof. Siegfried Jenkner und seine Frau. Während seines Studiums an der Universität Leipzig beteiligte sich  Herr Jenkner an Aktivitäten des Kreises um Belter und verteilte unter anderem Flugblätter gegen das SED-Regime. Nachdem der gesamte Kreis verhaftet wurde, verurteilte ihn ein sowjetisches Militärtribunal zu zweimal 25  Jahren Haft in einem sowjetischen Zwangsarbeitslager.

Persönlich muss ich sagen, dass so ein Zeitzeugeninterview anders und vor allem emotionaler ist, als ich dachte.  Herr und Frau Jenkner konnten frei über die Ereignisse sprechen und reagierten auf keine Frage mit Zurückhaltung, auch wenn es sich um persönliche Fragen handelte, die Erinnerung an schreckliche Erlebnisse wachrüttelten. Ich fand es sehr erstaunlich, dass sie das ganze Thema mit soviel Humor nehmen konnten. Darüber hinaus bewundere ich diese Stärke, über mitunter auch sehr private Dinge zu reden. Man merkte Herrn Jenkner an, dass er die Verhaftung durch die Sowjets, die Erlebnisse im Gulag und seine Rückkehr in die Heimat für sich selbst aufgearbeitet hat und nie in Selbstmitleid verfiel, was wirklich beachtlich ist. Es war eine sehr angenehme Gesprächsatmosphäre, da nie das Gefühl aufkam, es wäre ein Frage-Antwort-Spiel.

Wir empfanden es alle als sehr schön, dass  Herr Jenkner nicht nur seine Frau, die wir mit ihm interviewen wollten, sondern auch seine Tochter und seinen Neffen mitgebracht hatte. Herr Jenkner wurde schon im ersten BEDENKEN-Projekt interviewt, aber dieses Mal sind wir mehr auf die Zeit nach der Haft eingegangen. Zu Beginn befragten wir Herrn Jenkner besonders zur Rückkehr in die BRD und zu seinem „Zurückfinden“  in das Alltagsleben in Freiheit. Er erzählte auch viele Dinge, die davor noch nie aufgenommen wurden, z.B. dass er nie eine schlechte Beziehung zu Russland hatte. Anschließend befragten wir seine Frau. Beide hatten sich nach seiner Rückkehr aus Workuta an der Universität kennen gelernt. Frau Jenkner berichtete uns, dass sie damals von vielen Menschen umgeben war, die im Gulag oder Speziallager waren. Außerdem hat sie uns erzählt, dass es in fast jeder Familie jemanden gab, der bereits schon mal in einem Lager gesessen hat, sei es entweder in einem Arbeitslager oder in Kriegsgefangenschaft.

Jetzt ergab sich eine besonders spannende Situation, da beide abwechselnd redeten und man so alles aus zwei Blickwinkeln betrachten konnte. Es war auch gut, dass seine Frau anwesend war, da sie ihn an einige Dinge erinnerte, die Herr Jenkner sonst vergessen hätte. Am Ende des Interviews befragten wir noch Herrn Jenkners Tochter und brachten damit das Interview zum Abschluss.

Autor: Marcel Storzum

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Zeitzeugeninterview mit Herrn Dr. Hoffmann


27.09.
2012

Als Teilnehmer beim Geschichtskurs des BEDENKEN-Projektes durfte ich Herrn Dr. Martin Hoffmann aus Oederan interviewen. Vor dem Beginn des Interviews holte ich Herrn Hoffmann am Dresdner Hauptbahnhof ab. Die Fahrt im Taxi nutzten wir für eine kurze Sightseeing-Tour durch die Stadt und zum gegenseitigen Kennenlernen. Meine Wissenslücken zu städtebaulichen Hintergrundinformationen fühlte zum Glück der Taxifahrer auf.

Nachdem wir an der Gedenkstätte angekommen waren,  unterhielten wir uns bei Kaffee und Kuchen zunächst über die Schwerpunkte des zweiten Interviews, das Herr Hoffmann uns geben sollte. Im Vorgängerprojekt hatte Herr Hoffmann bereits viel über seine Tätigkeit bei der KgU (Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit) und seinen Erlebnissen während der Haft im sowjetischen Zwangsarbeitslager in Workuta erzählt. Bei dem zweiten Interview legten wir den Schwerpunkt noch stärker auf seine Familie, aus dessen Leben er von einem zum anderen Tag gerissen wurde, und seinen Lebensweg nach der Rückkehr aus sowjetischer Haft. Hierin lag die Herausforderung des Interviews. Da sich Herr Hoffmann im Bereich der historischen Aufarbeitung unseres Themengebietes sehr gut auskannte und er bereits viel Interviewroutine besaß, ähnelten seine Antworten stark denen des vorherigen Interviews. Neue Dinge zu erfahren und vor allem Herrn Hoffmann zu persönlichen und emotionalen Perspektiven zu bewegen, war gelegentlich sehr schwer. Jedoch war er immer darauf bedacht gewesen, das Geschehene rational, fair, ja fast distanziert zu betrachten, was viele Vorteile in Bezug auf die historische Richtigkeit hat, jedoch auch den Nachteil bewirkt, dass seine persönlichen Erinnerungen, wie es zum Beispiel der Familie erging, nur schwer rekonstruierbar sind.
Im Anschluss an das Interview hatte ich die Möglichkeit mit Herrn Hoffmann noch über private Interessengebiete zu sprechen, die erfreulicher Weise zu seinen Studienfächern kongruent waren.

Autor: Julius Woldt

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Museumssommernacht 2012


18.07.
2012

Am 14. Juli 2012 fand  in der Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden zum ersten Mal die Museumssommernacht statt. Einige Programmpunkte bei der Museumssommernacht bestanden aus Inhalten des Schülerprojekts BEDENKEN II. An diesem Abend wollten wir die im Vorgängerprojekt entstandene Ausstellung vorstellen und gleichzeitig auch Arbeitsergebnisse aus dem jetzigen Projekt präsentieren.

Dafür haben wir uns vorher Ausstellungsräume des BEDENKEN Projekts ausgesucht, wobei jeder Raum für eine eigene Station von der Verhaftung bis zur Freilassung darstellt. Hier haben wir den Besuchern das wichtigste erklärt.

In einem Raum lief abschließend die von Marc Rene und Julius erstellte Präsentation, welche unsere Projektinhalte projizierte.

Wir sechs Schüler des Geschichtskurses haben nicht mit einem so großen Besucherandrang gerechnet. Trotzdem konnten wir dies sehr gut meistern. Die Besucher schienen außerordentlich interessiert und wissbegierig. Eine oft gestellte Frage war, wie die heutigen Jugendlichen über das Thema informiert werden und wie wir dazu gekommen sind an diesem Projekt teilzunehmen. Es wurde aber auch viel Lob über das Schülerprojekt ausgesprochen. Wir selber haben auch den Theaterkurs bei seiner Vorstellung unterstützt, indem wir bei einem Standbild interagiert haben. Demnach kann man sagen, dass die Museumsnacht für unser Schülerprojekt sehr erfolgreich war. Insgesamt hat die Museumssommernacht uns sehr viel Spaß gemacht und wir freuen uns schon auf den Tag der offenen Tür am 5. Dezember 2012.