Projektstimme – Projektskizze – Resümee zu »angeeckt.«

Ziel des folgenden Beitrages ist es, die erste Maßnahme des »angeeckt.«-Projektes vorzustellen. Für alle interessierten LeseInnen und besonders SchülerInnen gilt: Wir suchen wieder neue TeilnehmerInnen. Ende Februar 2015 starten wir in die zweite Runde!

Rahmen

Das Schüler-Freizeit-Projekt »angeeckt.« basiert auf einer Kooperation zwischen der 121. Oberschule Dresden, der Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden sowie dem Verein Arbeit und Leben Sachsen. Getragen wird es durch die Mittel des Deutschen Museumsbundes über die Maßnahme „von uns für uns“, die wiederum über die Förderung des BMBF, „Kultur macht stark“, läuft. Von Mai bis Dezember 2014 arbeiteten ca. 40 SchülerInnen zwischen 14 und 18 Jahren vor allem aus der 121. Oberschule, aber auch aus anderen Schulen in ihrer Freizeit am ersten Teil des Projektes mit.

Der pädagogische Ansatz lautet „Peer-Education“ – Schüler lernen von Schülern. Demzufolge war es Ziel, dass die SchülerInnen sowohl eine Gruppe Gleichaltriger durch die Gedenkstätte führen als auch in sechs verschiedenen Kursen (zwei Fotokurse, zwei Filmkurse, Layout- und Kunstkurs) an einer Ausstellung für den außerschulischen Lernort kreativ mitwirken. Am 16. Dezember 2014 wurde diese in einer Abendveranstaltung feierlich eröffnet, bei der die Ergebnisse der Fotokurse und des Kunstkurses gezeigt wurden. Weiterhin wurden die entstandenen Filme sowie der Projektablauf vorgestellt.

Projektdurchführung

Das erste Treffen („Kick Off“) im Juni 2014 diente dazu, dass sich die neun GruppenleiterInnen untereinander kennenlernten, aber auch einen ersten Eindruck vom historischen Ort erhielten. Weiterhin wurde der Projektablauf besprochen und festgelegt, in welche Kurse sich »angeeckt.« auffächern sollte, denn die eingangs genannten Kurse standen nicht von Beginn an fest. Die SchülerInnen bestimmten selbst, welche Kurse ihren Interessen entsprachen.

„Kick Off“ – erste Führung

Noch vor den Sommerferien im Juli begannen die ersten beiden historischen Workshops. In der ersten Sitzung ging es darum die Frage zu beantworten, warum es diesen Ort – die Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit – überhaupt gab? Hierzu wurden vier zentrale Themenbereiche – Sozialismus, SED, DDR und Stasi – in chronologischer Reihenfolge, aber auch in ihren historischen Zusammenhängen erschlossen. Weiterhin wurden einzelne Kapitel des BStU-Dokumentarfilmes „Feindbilder“ angeschaut und anschließend diskutiert.

1. historischer Workshop
1. historischer Workshop

Der Schwerpunkt war hier, die Motivation der hauptamtlichen MfS-Mitarbeiter zu erschließen, um so eine Antwort auf die eingangs gestellte Frage zu finden. Abschließend unternahmen wir ein „Bilderrätsel“, in dem es darum ging, zeitgenössische Bilder der Bundesrepublik oder DDR zuzuweisen, um so ein Gefühl für die jüngste deutsche Geschichte zu erhalten.

Im zweiten Workshop nährten sich die SchülerInnen der Häftlingsperspektive mittels der Medienstationen, die sich im Hafthaus befinden. Hier galt es einen Eindruck von den möglichen Haftgründen zu erhalten sowie sich darüber hinaus mit den Haftbedingungen und der Vernehmungspraxis in der Stasi-U-Haft auseinanderzusetzen. Weiterhin wurde den SchülerInnen ein Führungsleitfaden ausgehändigt, der verschiedene Führungsstationen vorstellte, von denen eine Auswahl in den späteren SchülerInnen-Führungen vorgestellt werden sollten. In dieser Sitzung sollten hiermit die Grundlagen für die selbstständige Führung gelegt werden. Für alle Workshops muss ebenso festgehalten werden, dass die intensiven Arbeitsphasen von einer entspannten und schmackhaften Pause unterbrochen wurden, die den Teilnehmenden wieder neue Energie gab.

Im dritten Workshop Anfang September trafen wir den Zeitzeugen Elmar Scholz, der 1969 an der Berliner Mauer mehrfach angeschossen wurde. Hierzu erstellten wir im Vorfeld Fragen, die uns während der Auseinandersetzung mit den Akten zu seiner Person einkamen. Das Gespräch war spannend. Die SchülerInnen erfuhren nicht nur Einzelheiten über die versuchte Flucht und über die Berliner Mauer, sondern auch über die Stasi-U-Haft in Dresden.

Elmar Scholz (verhaftet an der Berliner Mauer im April 1969) im Gespräch. Im Hintergrund eine Grafik zum Aufbau der Grenzanlagen.
Elmar Scholz (verhaftet an der Berliner Mauer im April 1969) im Gespräch. Im Hintergrund eine Grafik zum Aufbau der Grenzanlagen.

Im letzten historischen Workshop unternahmen wir eine Exkursion in die Justizvollzugsanstalt (JVA) Dresden. Neben einem Einführungsgespräch und einem filmischen Beitrag diskutierten wir anhand von verschiedenen Vergleichskategorien (bspw. Haftgründe, Sinn/Ziel der Haft, Haftprinzipien, Zelleneinrichtung usw.) Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der heutigen Untersuchungshaft und der Stasi-U-Haft.

Ebenfalls im September fanden die beiden sozialen Workshops statt, in denen es um Selbst- bzw. Fremdwahrnehmung, Rhetorik sowie Körpersprache ging. Anschließend konnten die SchülerInnen das Gelernte anwenden. Sie hatten die Möglichkeit, sich in der Führung durch die Gedenkstätte zu üben, indem sie einzelne Stationen der Gruppe vorstellten und anschließend ein Feedback erhielten. Danach lernten die GruppenleiterInnen in den medialen Workshops von den professionellen Kursleitern – im Fotokurs wurde bspw. der Umgang mit der Spiegelreflexkamera geübt und anschließend spannende Motive am historischen Ort gesucht. Nach insgesamt acht Workshops war es nun soweit. Die Gruppenleiter waren sowohl inhaltlich als auch für ihre spezielle Gruppe ausgebildet.

Ende September, Anfang Oktober übernahmen die GruppenleiterInnen ihre Gruppen und begannen mit ihren Führungen. Diese beinhalteten Basisinformationen zur Gedenkstätte, aber auch die Wiedergabe individueller Erfahrungen und Eindrücke, die sie bisher in der Auseinandersetzung mit dem Ort gewonnen hatten. Nach der Führung wurden die neuen Erkenntnisse in der Gruppe besprochen und anschließend weiterführende Fragen diskutiert.

Schülerführung
Schülerführung

Im letzten Teil des Projektes wurde in den jeweiligen Kursen des Projektes an verschiedenen Projektergebnissen gearbeitet. Die ausgebildeten GruppenleiterInnen übernahmen hierbei die Leitung der Kurse und wurden darüber hinaus von den professionellen Kursleitern unterstützt. Über weite Teile arbeiteten die SchülerInnen auch selbstständig, nachdem das Ziel der Arbeit gemeinschaftlich beschlossen wurde.

Folgende Ergebnisse entstanden:

  • Layoutkurs: Die Einladung zur Projektpräsentation sowie die Museumspässe wurden erstellt.

    Einladung zur Prästentationsveranstaltung
    Einladung zur Projektpräsentation

 

Zum Abschluss des Projektes fuhren die GruppenleiterInnen nach Radebeul ins DDR-Museum, um die dortige Darstellung der DDR-Geschichte zu erfahren und so Unterschiede in der zeitgeschichtlichen Historiographie der DDR kennenzulernen.

Alltagsgeschichte im DDR-Museum Radebeul
Alltagsgeschichte im DDR-Museum Radebeul

 

Kurz vor Ende des Projektes wurde »angeeckt.« ausgezeichnet. Das Sächsische Staatsministerium für Kultus (SMK) prämierte das Projekt mit 24 weiteren Schüler-Freizeit-Projekten zum 25. Jahrestag der Friedlichen Revolution.

Abschließend seien einige Schülerzitate aus unserer anonymen Evaluation genannt, um die zu Wort kommen zu lassen, weswegen es solcherart Projekte gibt:

  • „Die Workshops bleiben in Erinnerung und besonders die gemeinsame Zeit.“
  • „Ich würde wieder teilnehmen.“
  • „Mein Lehrer war „stolz“ dass ich mich dafür gemeldet habe, da es in meiner Freizeit ist.“
  • „Weil das Thema, was hier besprochen wird, wichtig ist.“
  • „Man hat etwas gelernt ohne Schul-Feeling“