Start des 3. Projektdurchganges (September bis Dezember 2015) – wir suchen noch SchülerInnen!

Ablauf, Zeiten und Kontaktdaten.
Ablauf, Zeiten und Kontaktdaten.

Die Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden bietet das Schülerprojekt »angeeckt! Schülerperspektiven auf die Dresdner Stasi-Haft« nun zum dritten Mal an. Wir starten im September mit der Ausbildung der Gruppenleiter. Im Oktober beginnen die Führungen für die Teilnehmer, ab November beginnt die Arbeit in den Workshops. Ende Dezember 2015 werden wir voraussichtlich die Ergebnisse vorstellen. Bei Interesse bitte melden (Kontaktdaten siehe Bild)!

 

PROJEKTSTIMME 2015 (2. Projektdurchgang) – PROJEKTSKIZZE – RESÜMEE ZU »ANGEECKT.«

Der Rahmen.

Das Schüler-Freizeit-Projekt »angeeckt.« ging 2015 bereits in die zweite Runde. Es basiert auf einer Kooperation zwischen der 121. Oberschule Dresden, der Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden sowie dem Verein Arbeit und Leben Sachsen. Getragen und begleitet wird es durch den Deutschen Museumsbund über die Fördermaßnahme „von uns für uns“. Von März bis Juli 2015 beteiligten sich ca. 40 Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren am Projekt.

 

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Zwei Dinge sind wichtig für »angeeckt.«.

1. Kreativität: Die Schüler erschließen sich die Geschichte des historischen Ortes mit unterschiedlichen künstlerischen Mitteln.

2. Der pädagogische Ansatz „Schüler lernen von Schülern“: Hierfür wurden Schüler (Gruppenleiter) in mehreren historischen sowie künstlerisch-sozialen Workshops ausgebildet, um anschließend Gleichaltrige durch die Gedenkstätte zu führen. Abschließend arbeiteten die Schüler an der Präsentation ihrer Ergebnisse in einer Ausstellung. Die Gruppenleiter waren in der Regel über 30 Stunden (manche sogar über 40 Stunden!), die Teilnehmer mehr als 6 Stunden in ihrer Freizeit an der Gedenkstätte tätig.


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Kunst und Geschichte.

In den Feedbackbögen, welche die Schüler am Ende des Projekts ausfüllten, wurde vor allem die Verbindung von Kunst und Geschichte positiv bewertet. Manche der Teilnehmer machten kein Geheimnis daraus, dass sie sich mehr für die kreativen Möglichkeiten des Projektes als für DDR-Geschichte interessierten.

Den Gruppenleitern standen sechs unterschiedliche Kurse zur Auswahl: Foto, Film, Layout, Kunst, Theater und Soundtrack. Wie schon im vorangegangenen Projekt entschieden sich die meisten Jugendlichen für die Foto- und Filmkurse. Zwei Teilnehmer wählten den Layoutkurs und eine Teilnehmerin entschied sich für den Kunstkurs.

Die ehemalige Untersuchungshaftanstalt.

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Begonnen wurde die Projektarbeit mit der Erkundung der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) und grundlegenden Informationen zum politischen System der DDR. Somit wurde eine inhaltliche Basis für die weitere, kreative Bearbeitung des Themas gelegt. An drei Nachmittagen wurde dazu intensiv am historischen Ort gearbeitet. Unterschiedliche Zugänge, wie z. B. zeitgenössisches Filmmaterial und selbst erarbeitete Rundgänge durch die Gedenkstätte, halfen den Jugendlichen, die Rolle, Aufgaben und Besonderheiten der ehemaligen Untersuchungshaftstätte zu erschließen. Rückblickend hoben die Teilnehmer die Bedeutung des authentischen Ortes hervor, der ihnen das Verständnis für die historischen Zusammenhänge erleichterte. Die intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte des Gebäudekomplexes schärfte den Blick und generierte Fragestellungen bei den Schülern. Ihr Interesse galt dabei vor allem den Menschen, die entweder als Inhaftierte oder als Mitarbeiter, diesen Ort prägten.

 

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Kunst.

Die Perspektive der Inhaftierten stand im Fokus des Kunstkurses. Mit reduzierten Kohlezeichnungen und einfachen Drucktechniken näherten sich die Teilnehmer möglichen Gefühlszuständen der Häftlinge. Unsicherheit, Angst und Isolation waren Motive, die sie dabei beschäftigten. Unter der Anleitung des Dresdner Maler Hans Wutzler entstanden Kunstwerke, die Raum zur Interpretation lassen und das nachspürende und prozesshafte dieser Annäherung zeigen.

 

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Foto.

Die Arbeiten des Fotokurses veranschaulichen, wie hintergründig der Blick durch die Linse sein kann. Mit Hilfe der Fotografin Katharina Heinrich lernten die Jugendlichen zunächst, sich Zeit zu nehmen für ein Bild. Sie erkannten dabei die verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten, die durch den Einsatz von Schärfe und Licht entstehen. Durch das genaue Hinsehen rückten besondere Details der baulichen Strukturen der Haftanstalt z.B. im Freiganghof oder in den Haftzellen in den Mittelpunkt ihres Interesses.

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Ein weiterer Schwerpunkt des Fotokurses stand unter der Überschrift „Kontraste“. Als Objekte der Darstellung dienten Orden und Ehrenabzeichen der DDR – beispielsweise die „Ehrennadel der Nationalen Front“ oder die „Medaille für treue Dienste in den Kampfgruppen der Arbeiterklasse“ – vor dem Hintergrund der Räume des MfS-Komplexes. Fokussiert wurden Abzeichen, die für Loyalität, Konformismus und Angepasstheit standen. Sie wurden in Auseinandersetzung zu dem Ort gesetzt, in dem Menschen eingesperrt wurden, die aus politischen Gründen mit dem SED-Regime in Konflikt gerieten und sich eben nicht „anpassten“. Diese Gegensätzlichkeit verdeutlichte den Teilnehmern das repressive politische System in der DDR.

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Film.

Die in den Filmkursen entstandenen Arbeiten zeigen künstlerische und dokumentarische Perspektiven auf den Ort. Im Film zum Interview mit dem Zeitzeugen Michael Schlosser gelang es den Jugendlichen besonders, die historischen Fakten mit künstlerischen Ideen zu verknüpfen. Bei der Aufzeichnung des Interviews standen vor allem technische Aspekte im Vordergrund. Im zweiten Schritt wurden mit der Hilfe des Filmemachers Julius Günzel Bilder in der Haftanstalt gedreht, die die bedrückende Stimmung des Erinnerungsberichtes sichtbar machten. Beim anschließenden Schnitt des Filmmaterials wählten die Schüler die für sie eindrücklichsten Aussagen aus und fügten die einzelnen Sequenzen zusammen. Weiterhin entstanden zwei Dokumentarfilme über die Projektarbeit selbst. Ein Film thematisierte das gesamte Projekt mit seinen Kursen, der andere die Arbeit eines Filmkurses. Diese drei Filme sowie die Filme des ersten Projektes sind dauerhaft in der Gedenkstätte zu sehen.

 

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Layout.

Gemeinsam mit der Graphikerin Kathlen Jentsch gestalteten die Teilnehmer Einladungen für die Ausstellungseröffnung. Ihr Ziel war es, Inhalt und Anliegen des Projektes »angeeckt.« mit Bild und Schrift zu visualisieren. Die Jugendlichen des Layoutkurses arbeiteten eng mit dem Fototeam zusammen. Sie wählten Fotos aus, die ihre Eindrücke der Haftanstalt wiedergaben aber auch beim Betrachter Interesse an der Gedenkstätte und den Ergebnissen der Schülerarbeit wecken sollten.

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Ausstellungseröffnung am 2. Juli 2015.

Höhepunkt für die Jugendlichen und gleichzeitig Abschluss des zweiten Projektes war die Präsentation der Ergebnisse. Für die Schüler war es toll, dass viele Eltern und Lehrer zu der Veranstaltung in die Gedenkstätte kamen. Die Jugendlichen führten die Besucher in einem Rundgang durch die ehemalige Untersuchungshaftanstalt. Viele der Eltern waren zum ersten Mal in der Gedenkstätte und waren sichtlich beeindruckt sowohl vom Ort selbst als auch von den informativen Erläuterungen ihrer Kinder. Nachdem alle Fragen beantwortet waren, wurde die Ausstellung mit den, in den Foto-, Film- und Kunstkursen entstanden Werken eröffnet. Die Kunstwerke gaben den Gästen eine zusätzliche und ungewohntere Perspektive auf die Geschichte des ehemaligen MfS-Komplexes.

Die Ausstellung steht zukünftigen Besuchern in den Räumen der 3. Etage der Gedenkstätte offen.

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Schülerzitate aus den (anonymen) Evaluationsbögen

„»angeeckt.« ist eine perfekte Kombination aus kreativer Gestaltung und geschichtlichen Kenntnissen.“

 

„Weil es ein gemütliches Arbeiten ist und ich finde hier lernt und versteht man den Stoff besser.“

 

„Ich fand das Projekt sehr gut, weil die Kursleiter sehr respektvoll mit einem umgehen und ich mehr über die DDR erfahren konnte.“