Projektbericht 3. Maßnahme

Projektbericht 3. Maßnahme

Mit der Abschlusspräsentation der dritten Maßnahme, am 17. Dezember 2015, endete das erste „Angeeckt“-Projekt in der Gedenkstätte Bautzner Straße.

Anhand von Zitaten aus den Auswertungsbögen der Teilnehmer/innen lassen sich die Projektbausteine herausarbeiten, die für das Gelingen des Projektes maßgeblich waren. Daneben war für die Kontinuität und Verbindlichkeit der Durchführung aller Maßnahmen die gute Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Jugendclubs und der Schulen sehr hilfreich.

…die perfekte Kombination aus kreativer Gestaltung und geschichtlichen Kenntnissen.

Kunst und Geschichte
Die Teilnehmer/innen erschlossen sich die Geschichte des historischen Ortes mit unterschiedlichen künstlerischen Mitteln. Mit Hilfe kreativer Ausdrucksformen wurde Jugendlichen, die bis dato wenig Interesse für das Thema DDR-Geschichte besaßen, ein Zugang zur jüngeren Zeitgeschichte geschaffen. So war es den Teilnehmern/innen auch möglich eine individuelle Perspektive auf die Vergangenheit einzunehmen.

Bei der dritten und letzten Maßnahme fand sich eine Theatergruppe zusammen. Unterstützt von einer Theaterpädagogin erarbeiteten sich die Jugendlichen mögliche Fragestellungen aus der Geschichte der Stasiuntersuchungshaftanstalt, die Interpretationsspielraum für das szenische Spiel ließen. Alle waren schnell einig darüber, sich mit der besonderen Situation des „Verhörs“ auseinanderzusetzen. Durch die historischen Workshops wussten die Teilnehmer/innen, dass das Verhör als Mittel der Erniedrigung und Willkür von der Staatssicherheit eingesetzt wurde. Die Schwierigkeit bestand darin, die zentralen Begriffe einer Verhörsituation „ Macht“ und „Ohnmacht“ auch ohne Worte darzustellen, wozu sehr viel Körpersprache nötig war. Als Spielort wurde bewusst das Hafthaus gewählt, um sich der historischen Situation anzunähern.

Die Kursleiter waren sehr freundlich!

Das Team
Für die künstlerischen Workshops wurden Kursleiter engagiert, die mit ihren jeweiligen Kompetenzen die praktische Seite der Workshops abdeckten. Teilweise wurde sie dabei von Ehrenämtlern unterstützt. Die Auswahl der Kursleiter erfolgte nach fachlichen und persönlichen Aspekten. So wurde beispielsweise nach deren Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gefragt sowie danach, ob sie in der Lage sind, ihre eigenen Qualitätsansprüche hinten anzustellen, zugunsten von Lerneffekt und Freude am Tun der Teilnehmer/Innen. Alle Gruppen- und Kursleiter bekamen von den Jugendlichen „Bestnoten“.

Mich hat beeindruck, dass es doch viele Menschen gab, die gegen die damalige Politik waren und dagegen gekämpft haben, obwohl sie Konsequenzen haben konnten.

Zeitzeugen
Der obige Satz ist das Resümee einer Teilnehmerin nach einem Zeitzeugengespräch. In jeder der drei Maßnahmen wurden ehemalige Häftlinge eingeladen. Die Gespräche waren für die Teilnehmer/innen sowohl informativ als auch berührend. Die Zeitzeugen berichteten dabei nicht nur über ihre Erlebnisse in der Untersuchungshaftanstalt sondern allgemein über ihr Leben in der DDR. Da viele der Schilderungen von der Jugend der Zeitzeugen erzählen, fanden die Jugendlichen immer wieder Bezüge zu ihrer eigenen Lebenswelt.

Aufgrund der Ambivalenz von Zeitzeugengespräche als Quelle für historische Ereignisse wurden die Gespräche von den Gruppenleitern eingeführt und begleitet.

…man ist näher dran, als in den Geschichtsbüchern…

Exkursionen
In den Augen der Jugendlichen waren die Exkursionen ein wichtiger Bestandteil des Projektes. In der der ersten und zweiten Maßnahme besuchten die Teilnehmer die Justizvollzugsanstalt Dresden. Auf der Grundlage der Erläuterungen vor Ort verglichen sie die Haftgründe und Haftbedingungen heute mit denen der Untersuchungshaftanstalt der Staatsicherheit.

Auch der Besuch des DDR-Museums in Dresden –Radebeul gehörte beinah obligatorisch zum Projekt. Hier konnten die Teilnehmer/innen vieles von dem entdecken, was sie aus den Erinnerungen und Anekdoten ihre Eltern kannten und somit ihr Bild der DDR-Gesellschaft differenzieren.

Das war aufregend!

Abschlusspräsentation
Höhepunkt der drei Maßnahmen war jedes Mal die Präsentation der Ergebnisse. Dazu zählte die Vorstellung der entstanden Kunstwerke sowie eine Führung im Hafthaus durch die Teilnehmer/innen. Diese Ergebnisorientierung der einzelnen Maßnahmen motivierte die Jugendlichen kontinuierlich teilzunehmen und sich einzubringen. Die Gedenkstätte konnte durch die Veranstaltungen neue Zielgruppen erreichen. So besuchten einzelne Jugendliche noch Wochen später gemeinsam mit ihren Eltern die Gedenkstätte. Zudem entstand durch das Projekt ein neuer Ausstellungsteil. Ausgewählte Filme, Grafiken und Fotos der Angeeckt-Teilnehmer/Innen werden nun dauerhaft gezeigt.