Zwischenstand

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Nach fast eineinhalb Monaten ist es Zeit für einen kurzes Zwischenfazit des aktuellen Projektdurchgangs: Seit Anfang März sind wir beinahe jede Woche in der Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden unterwegs und beschäftigen uns mit Aspekten der (politischen) Untersuchungshaft bei der Stasi.
Zunächst einmal ging es um das Kennenlernen des Projektes, der beteiligten Menschen und natürlich des Ortes. Gut, dass sich mittlerweile einige Spuren vergangener Projektdurchläufe im Haus ansehen lassen. Denn so ist es leichter, eine Idee davon zu bekommen, worauf das Projekt hinaus möchte. Das Kennenlernen zwischen allen Beteiligten verläuft bei unserer kleinen aber feinen Gruppengröße ebenso leichtgängig.

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Verwirrender ist da schon das Kennenlernen des Ortes und seiner Geschichte, doch das ist es ja, womit wir uns an den nächsten Terminen umso intensiver auseinandersetzen wollen. Einer Überblicksführung zum Kick-Off folgt der erste historische Workshop, in dem wir etwas Klarheit in die Zusammenhänge von Sozialismus, SED, DDR und MfS im Rahmen des Kalten Krieges bringen. Die nächste Führung erleben wir dann im Rahmen des ersten Zeitzeugentermins.

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Auch wenn die Rahmenbedingungen und die Umstände des Haft- und Verhöralltags nun schon klarer geworden sind, setzen wir uns in einem weiteren historischen Workshop noch einmal im Detail mit konkreten Fällen politischer Haft in der Bautzner Straße auseinander. Dabei können sich die Jugendlichen für Schicksale aus einem der vier Jahrzehnte DDR-Geschichte entscheiden und diese an Multi-Media-Stationen erkunden. Immer deutlicher wird, wie drei Prinzipien – Desorientierung, Isolation und Überwachung – die Stasi U-Haft bestimmen.

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Nach so viel Input ist es an der Zeit, auf das Ausbildungsziel hinzuarbeiten, nämlich selbst eine Gruppe v.a. Gleichaltriger kompetent durch die Gedenkstätte führen zu können. Also lernen wir, wie wir nach außen mit Körper und Stimme wirken können und üben Abschnitte der Führung, um uns gegenseitig Tipps zu geben.

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Bevor es ab der nächsten Woche um kreative Perspektiven auf des Gelernte und Erlebte geht, hören wir noch einmal einen Zeitzeugen über politisches Anecken in der DDR und mit dem MfS berichten. Das bedeutete allzu oft Überwachung und führte zu politischer Repression und Haftstrafen – aber wir hören auch von kleinen und (spätestens im Herbst 1989) großen Erfolgen gegen die politische Engstirnigkeit der SED und die Stasi, deren selbsternanntes Schild und Schwert.

Trotz dieses Ausblicks konzentrieren wir uns weiter auf den Schwerpunkt der Unterdrückung politischer Gegner, wobei Haft und Verhöre zu den schärfsten Mittel gehörten. Besonders gespannt sind wir nun, wie sich mit künstlerischen Mitteln ausdrücken lässt, was wir über Verhaftung, Aufnahme in die U-Haft, Haftalltag und Verhör erfahren haben.

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