Projektstimme(n) 1/2

Die fünfte Maßnahme des Projektes „angeeckt – Schülerperspektiven auf die Stasihaft“ startete für die Teilnehmer mit dem Kick Off am 19. Oktober 2016. Besonders das neue Angebot „Street-Art“ begeisterte die Anwesenden. So dass im Ergebnis in Maßnahme 5 zwei „Street-Art“ Kurse durchgeführt wurden. Ebenfalls neu in der Maßnahme 5 war die enge Zusammenarbeit mit Amnesty International.

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Prinzipiell öffnete sich das Projekt, das bisher Historisches und Kunst miteinander verband, hin zu zeitgemäßen künstlerischen Ausdrucksformen und aktuellen gesellschafts-politischen Fragen. Die beschriebenen Neuerungen lassen sich vor allem auf die Bedarfe der Jugendlichen sowie auf einen Diskussionsprozess innerhalb der Projektleitung zurückführen. Das Ziel war es, näher an der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen zu arbeiten und stärker aktuelle Themen zu berücksichtigen.

Den Gegenwartsbezug lieferte das Thema Menschenrechte. Begleitet von den Vertretern der Amnesty International Hochschulgruppe Dresden erfuhren die Peerteamer, dass politische Justiz und Haft keine ausschließlich historischen Erscheinungen sind, sondern das das gegenwärtige und weltweite Probleme sind.  Die Teilnehmer*innen setzten sich mit unterschiedlichen Ursachen von politischer Verfolgung auseinander. Die Durchführung des Workshops gemeinsam mit den jungen Aktivist*innen von Amnesty, deren Akzeptanz aufgrund des geringen Altersunterunterschiedes groß war, zeigte den teilnehmenden Peerteamern, dass der Einsatz für Menschenrechte möglich und sinnvoll ist.

In den praktischen Workshops, die der Kunstpädagoge Florian Bölike anleitete, entwickelten die zehn Dresdner Oberschüler*innen mit Hilfe verschiedener Streetart – Formen individuelle künstlerische Perspektiven auf die Arbeit des Ministeriums für Staatssicherheit und zu den aktuellen Bezügen; Überwachung und politischer Gewalt. Es entstanden  sehr unterschiedliche Arbeiten, die neben den vielfältigen thematischen Perspektiven auch den Blick auf die vielen Möglichkeiten von Streetart zeigen.  Eingeleitet wurde die Workshops mit einem gemeinsamen Besuch der Ausstellung „(Un)geduldiges Papier- Kunstaktivistische Poster, Stencils, Sticker und Cut Outs.“ . Hier nahmen alle erste Anregungen für das eigene Tun mit nach Hause und in die Gedenkstätte.

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In zwei Gruppen aufgeteilt beschäftigten sich die Projektteilnehmer mit jeweils ganz unterschiedlichen Formen von Street Art: Pochoir/Stencil und Paper Graffiti Art.
Im Kurs der einen Gruppe entstanden aus Skizzen Schablonen, sogenannte Pochoirs oder Stencils, die mit Lack besprüht ein Bild als Negativ entstehen ließen. Die Arbeiten äußern sich als teils explizite Bezüge zum MfS, teils als metaphorische Bilder, die Gefühlslagen um Überwachung und Angst wiedergeben.
Der Zweite Kurs arbeitete zunächst ebenfalls mit Skizzen und Schablonen, anders als im ersten Kurs, wurde dann eine Collage mit weiteren Material, vor allem Textauszügen erstellt.

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Zentral in der Überwachungssituation kauert ein eingesperrter Mensch; auch die Einbindung von Text bleibt ein wichtiger Bestandteil im Abschlussbild.

Zwei große Graffiti-Wände neben dem Dresdner Jugendclub „Scheune“ waren das Ergebnis der beiden Street Art Peer-Workshops. Der Schritt nach ‚draußen‘ war erklärtes Ziel diese Kunst-Workshops.

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Fragmente dieser Graffitis wurden als Teile des Ganzen in der Gedenkstätte im Rahmen der Abschlusspräsentation zusammen mit großformatigen Fotos der Graffitis und einem Video, der die Entstehung dokumentiert, ausgestellt.

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Darüber hinaus wurde in einem weiteren Street-Art Workshop vor allem jüngere Schülern gearbeitet und besonders die Problematik der Menschenrechte/Menschenrechtsverletzung hervorgehoben. Es entstanden Sticker und Schablonen bereit für den Einsatz ‚auf der Straße‘.

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Zum gemeinsamen Abschluss mit den Teilnehmern der Maßnahme 6 wurde die Ergebnisse der Street-Art Ausstellung im Foyer der Gedenkstätte präsentiert.