Archiv der Kategorie: Allgemein

Vorschau Abschlusspräsentation

_DSC4489

Die laufenden Projekte – rot und blau, stehen kurz vor ihrem gemeinsamen Ziel: Der Abschlussveranstaltung mit der Präsentation der Schüler*innenarbeiten. Am Platz der langsam verschwindenden ‚alten‘ Ausstellung findet sich auch schon ein Hinweis auf die ‚Baustelle‘ der neuen Projektpräsentation. Wir fügen dort in den nächsten Tagen als kleine Vorschau immer einen weiteren bildlichen Einblick hinzu – zu verfolgen ist das auf der Projektseite bei facebook.de/angeeckt.

_DSC4490
So viel sei schon verraten: Im roten Projektstrang ist der Höhepunkt der Street Art-Workshops sicherlich das der Kunstform gerechte Arbeiten in der Öffentlichkeit.
Im blauen Projektstrang entstanden abermals ganz neue gefilmte Perspektiven auf die Stasi-U-Haft und es wird zu ziemlich viel Bewegung kommen – und das an einem Ort der maximalen Einschränkung von Bewegungsfreiheit.

ausschnitt

Zwischenstand zu »angeeckt.«

Ein kurzer Überblick über »angeeckt.« 5 & 6

Eine außerordentlich gut besuchte Kick-Off-Veranstaltung im Oktober machte es nötig, zwei parallele Maßnahmen des Projekts durchzuführen, um das Interesse der Jugendlichen abdecken zu können. Damit alle Beteiligten die Übersicht behalten, unterscheidet das Team von »angeeckt.« die Maßnahmen 5 und 6 als ‚rot‘ und ‚blau‘. In diesem Bericht werden die entsprechende Farben genutzt, um auch für den schnellen Überblick deutlich zu machen, von welcher Maßnahme die Rede ist.

rotblau

Zwar noch aus einem gemeinsamen Kick-Off hervorgehend, wurden in den letzten Wochen nämlich zwei unterschiedliche Projekte entwickelt. Gemeinsam ist den beiden Durchgängen allerdings eine Öffnung bzw. Erweiterung, wie bereits in der in der Projektstimme des letzten Durchgangs skizziert worden ist: Über die Perspektive der Menschenrechte geht es nun noch einmal verstärkter um einen Gegenwartsbezug des historischen Themas politischer Untersuchungshaft.

So wurde in beiden Maßnahmen den bewährten, ‚klassischen‘ historischen Workshops ein weiterer hinzugestellt, der in Zusammenarbeit mit Amnesty International die soeben angesprochene Frage der Menschenrechte behandelte. So konnten die Jugendlichen erfahren, dass Verhaftungen und politische Justiz keine ausschließlich historischen Erscheinung sind, sondern in der Gegenwart weltweit weiterhin ein Problem darstellen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Ursachen solcher Menschenrechtsverletzungen in Geschichte und Gegenwart jeweils besondere sind.
Der direkte Kontakt mit jungen Menschenrechtsaktivisten und die Vorstellung der Arbeit von Amnesty International machte außerdem deutlich, dass es möglich ist und sich lohnt, im Sinne der Menschenrechte selbst aktiv werden zu können.
Vor allem in der Form neu wurden die sozialen Workshops in den beiden Maßnahmen angelegt: Jeweils als sechsstündiger Block, ergab sich sehr intensive Auseinandersetzung mit der emotionalen Ebene der Gedenkstätten-Erfahrung, der Frage nach der Motivation der Mitarbeiter*innen des MfS und natürlich der Frage, wie eine gute Führung gelingen kann.

_dsc4343

Was die künstlerischen Schüler*innenperspektiven auf die Stasi-U-Haft angeht, gab es auch Neuerungen im Programm von »angeeckt.«.
In der roten Gruppe kommt ein gänzlich neuer künstlerischer Zugang zum Tragen, nämlich das Arbeiten mit Ausdrucksmitteln aus dem Feld der Street Art.
_dsc4264
Anknüpfen ließ sich hier an das Zeitzeugengespräch aus dem zweiten historischen Workshop: Der konkrete Anlass der Untersuchungshaft war nämlich das Anbringen einer regimekritischen Parole an einer Dresdner Brücke. Das selbst ist sicher nicht als Kunst zu verstehen, aber Street Art ist eben doch oft politisch – und sie kann es in der Gegenwart weitgehend uneingeschränkt sein.
Als Übergang und Inspiration zur künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Themenfeld politischer Haft und Hafterfahrung stand deshalb ein Besuch in der kunstaktivistischen Ausstellung (Un)geduldiges Papier. Mit dabei war der Kunstpädagoge, der in Folge die zwei Street Art Workshops innerhalb der fünften Maßnahme begleiten sollte.

In der ‚blauen‘ Gruppe werden diese Perspektiven mit den ebenfalls bewährten Mitteln des Films gesucht. Neu dabei ist außerdem eine Tanzpädagogin, weil der Aspekt von Bewegung in einer eigentlich bis auf ein Minimum einschränkenden Einrichtung spannend erscheint. Vom Umgang mit dem körperlichen Aspekt von Unfreiheit berichteten auch die Zeitzeugen immer wieder. Mit denen übrigens, dass ist ein Schwerpunkt der ‚blauen‘ Gruppe, gab es zweimal die Möglichkeit zum Gespräch.
Nicht zu vergessen ist die Arbeit derjenigen, die sich künstlerisch um das die Gestaltung von Öffentlichkeitswerbung etc. kümmern. Unter diesem Bericht findet sich zwar noch das ‚alte‘ »angeeckt.«-Layout, um alle Interessierten herzlich zur peer-Phase des Projekts einzuladen, aber schon bald folgt sicherlich die Einladung zur Projektpräsentation als Schüler*innenprodukt.

angeeckt_v_flyer_fuehrungen-seite001

Hier schon einmal ein zwischenzeitliches Dankeschön und zwar neben den Projektpartnern und Zeitzeugen an die uns kräftig unterstützenden Künstler*innen:

http://filmpunktart.de/startseite.html
http://atljae.de/team/florian.html
http://getanztes.de/

Projektstimme

Zum vierten Mal »angeeckt.«
Hinter uns liegt der vierte Durchgang des Schüler*innenprojekts »angeeckt.«, das im Rahmen der Fördermaßnahme „von uns für uns“ des Deutschen Museumsbunds nun schon seit zwei Jahren das pädagogische Angebot der Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden erweitert. Dieses Mal ließen sich sechs Jugendliche der 121. Oberschule in Dresden-Prohlis zu Peer-Teamern ausbilden und viele weitere kamen als Peers zu den Schüler*innenführungen sowie den sich anschließenden künstlerischen Workshops.

Die Projekttage hatten jeweils spezifische Ziele: Inhaltlich ging es um die Erarbeitung historischen Wissens über die DDR und ihre Staatssicherheit sowie deren konkretes Wirken am historischen Ort. In Gesprächen mit Zeitzeugen wurden die individuellen Auswirkungen der Stasi-U-Haft thematisiert.  Um die Führungen vorzubereiten, fanden entsprechende sozial-methodische Workshops statt. Auf künstlerischem Weg wurde das Erlernte und Erlebte noch einmal anders, nämlich kreativ und individuell angegangen.

_DSC3958

Abschlussveranstaltung zum Mitmachen
Die Auseinandersetzung mit politischer U-Haft in der DDR, mit Haftbedingungen und Verhörmethoden stellt freilich kein erfreuliches Thema dar – auf die gedenkstättenpädagogische Arbeit, die am 22.06.2016 mit der Abschlusspräsentation endete, lässt sich trotzdem freudig zurückblicken: Den Besucher*innen wurden die Arbeitsweise und Ergebnisse – Kurzfilme, Fotografien und Zeichnungen –, der zwischen März und Juni stattfindenden Workshops sowohl im Foyer als auch im Hafthaus der Gedenkstätte vorgestellt. Trotz oder vielleicht gerade wegen der vergleichsweise kleine Stammgruppe waren diese Ergebnisse äußerst sehenswert.

So entstanden zwei Kurzfilme mit den Titeln „7.1“ und „aussichtslos“, die jeweils aus der Perspektive des Inhaftierten bzw. Zeitzeugen erzählen. Der erste der beiden Filme, der mit der Nummer „7.1“ auf das entindividualisierte Ansprechen der Zelleninsassen verweist, ordnet ein videodokumentarisch festgehaltenes Zeitzeugeninterview collagenhaft neu an. Im zweiten Film wird szenisch der fiktionalisierte Gang eines Inhaftierten von der Zuführung bis zum Verhör gestaltet. Diese nun verläuft aussichtslos (für wen eigentlich?), da der Verhörte stumm bleibt. Für die Projektpräsentation wurden die Filme im Hafthaus auf Leinwand projiziert – sie werden aber auch künftig dauerhaft im Ausstellungsbereich zu sehen sein.

_DSC3608

Im Foyer dokumentierte eine Bilderreihe die Arbeit im Projekt. Den Prozess der Projektarbeit sollte aber auch der während der Präsentation „live“ stattfindende Zeichen-Workshop nachvollziehbar machen. Allerdings nur räumlich im Hintergrund positioniert, dienten diesem die über mehrere Termine entstandenen grafischen Arbeiten der Schüler*innen als Anregungen. Aktiv werden konnten alle Besucher*innen selbst an einem langen Zeichentisch, den der Maler Hans Wutzler mit Teilnehmer*innen aus dem Projekt betreute. Neben dem gewissermaßen normalen Gedankenaustausch auf einer Projektpräsentation bot das Geschehen um diesen Tisch nochmals eine gern wahrgenommene Möglichkeit zur Interaktion.

_DSC4134

Im Gespräch mit Besucher*innen zeigte sich abermals, was sich schon in den Schüler*innenführungen deutlich geworden war: Die Peer-Teamer sind in der Lage, ihre Kenntnisse und Sichtweisen über und auf den historischen Ort nach außen zu tragen. Ein motivierendes Erlebnis von äußerer Anerkennung und eigener Kompetenz.

_DSC4133

Mit »angeeckt.« erfolgreich sein
Zum wiederholten Erfolg von »angeeckt.« haben all jene Eckpfeiler beigetragen, die sich auch schon in den vorangegangenen Projektdurchläufen bewährt hatten. Es sind das die unkomplizierte und notwendigerweise flexible Zusammenarbeit von Projektteam, Gedenkstätte und den anderen Projektpartnern, insbesondere die in die künstlerischen Kurse „von außen“ eingebrachte und auf die Bedürfnisse und Interessen der Jugendlichen abgestimmte Expertise –  und natürlich das Engagement der Schüler*innen.

Die pädagogische Arbeit an einer Gedenkstätte unterscheidet sich deutlich von der Lernatmosphäre und den Lernwegen, die die Schüler*innen aus der Schule gewohnt sind und für ein Freizeitprojekt gilt das noch einmal mehr: Beim freiwilligen gemeinsamen Arbeiten geht es somit auch darum, eine „gute Zeit“ am Nachmittag miteinander zu verbringen – ein Aspekt der vor allem in den Arbeitspausen der Workshops am Buffet zum Tragen kam, aber natürlich auch bei der Exkursion und beim informellen Treffen.

_DSC3300

_DSC3972

 

 

 

 

 

Die Arbeit am historischen Ort bietet ganz andere Möglichkeiten der Auseinandersetzung und ist weniger auf mediale Repräsentation angewiesen, als der Geschichtsunterricht –
das wurde auch von den Jugendlichen so (ein-)geschätzt.
Zur Erfahrung des Ortes treten ganz wesentlich die intensiven Zeitzeugengespräche hinzu, was sich regelmäßig in den Schüler*innenführungen wiedergefunden hat.

arrestzelle_fb

fb_führung2

Weitergehen angelegter Wege
Das Interesse der Jugendliche am szenischen Spielen, das in der letzten Maßnahme in einem (mittlerweile abermals aufgeführten) Theaterstück seine künstlerische Umsetzung fand, bestand fort und wurde in diesem Durchgang im bereits erwähnten Film „aussichtslos“ umgesetzt. Jeweils dominiert die Perspektive des Häftlings, aktiv gespielt wird aber vor allem die Stasi-Rolle. Im nächsten Projektdurchgang soll es noch stärker darum gehen, die Faszination für die Rolle derer zu reflektieren, die in der U-Haft als MfS-Personal in Machtpositionen waren und Gewalt ausüben konnten (und sollten).

Leider konnten die Ausflüge zur JVA und ins DDR-Museum Radebeul dieses mal aus organisatorischen Gründen nicht realisiert werden. Weil sich im zweiten Zeitzeugengespräch der thematische Horizont aber ohnehin schon auf die Aspekte des Eigensinns und des (wenngleich nicht einfach strukturierten) Bewegungsspielraums in der Diktatur erweitert hatte, war die Geocache-Exkursion an den Dresdner Hauptbahnhof und damit an einen Schauplatz der „Friedlichen Revolution“ keineswegs nur Ersatz. Zwei Anregungen für das nächste Mal »angeeckt.« gehen daraus hervor: Es soll auch außerhalb der Gedenkstätte um MfS- bzw. DDR-Geschichte und Erinnerungskultur in der Stadt gehen. Eine neue Idee für die künstlerischen Workshops ist dabei, ein Angebot für Street-Art bereitzustellen, wobei Graffiti nur eine mögliche Form ist – die es allerdings (im Stasi-Vokabular als „Rapschrift“) auch in der DDR gegeben hat.

_DSC3332

_DSC3974

Abschlusspräsentation und der „live“-Workshop waren kurzweilig und flüchtig. Die Fotografien und Bilder jedoch bleiben noch für eine Weile an prominenter Stelle im Foyer der Gedenkstätte hängen und sind somit sicherlich Motivation für die Jugendlichen, die in der Zwischenzeit die Gedenkstätte mit Freunden und/oder Verwandten besucht haben. Zugleich sind sie an diesem Ort Ausdruck von Wertschätzung des Freizeitangebots durch die Gedenkstätte.

Nicht nur weil auch ein in der Teilnehmerzahl verkleinertes Projekt präsentable Ergebnisse mit sich bringt, sondern auch weil das Thema politischer (Untersuchungs-)Haft sowohl historisch als auch gegenwärtig relevant bleibt geht es mit »angeeckt.« wieder im Herbst 2016 weiter. Wir sind gespannt auf neue Teilnehmer*innen und ihre Perspektiven auf den historischen Ort und sein Thema.

angeeckt_V_flyer_entwurf-Seite001

 

 

 

Zwischenstand

ausschnitt_zellentür

Nach fast eineinhalb Monaten ist es Zeit für einen kurzes Zwischenfazit des aktuellen Projektdurchgangs: Seit Anfang März sind wir beinahe jede Woche in der Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden unterwegs und beschäftigen uns mit Aspekten der (politischen) Untersuchungshaft bei der Stasi.
Zunächst einmal ging es um das Kennenlernen des Projektes, der beteiligten Menschen und natürlich des Ortes. Gut, dass sich mittlerweile einige Spuren vergangener Projektdurchläufe im Haus ansehen lassen. Denn so ist es leichter, eine Idee davon zu bekommen, worauf das Projekt hinaus möchte. Das Kennenlernen zwischen allen Beteiligten verläuft bei unserer kleinen aber feinen Gruppengröße ebenso leichtgängig.

_DSC3815

_DSC3817

Verwirrender ist da schon das Kennenlernen des Ortes und seiner Geschichte, doch das ist es ja, womit wir uns an den nächsten Terminen umso intensiver auseinandersetzen wollen. Einer Überblicksführung zum Kick-Off folgt der erste historische Workshop, in dem wir etwas Klarheit in die Zusammenhänge von Sozialismus, SED, DDR und MfS im Rahmen des Kalten Krieges bringen. Die nächste Führung erleben wir dann im Rahmen des ersten Zeitzeugentermins.

_DSC3199

_DSC3200

_DSC3813

Auch wenn die Rahmenbedingungen und die Umstände des Haft- und Verhöralltags nun schon klarer geworden sind, setzen wir uns in einem weiteren historischen Workshop noch einmal im Detail mit konkreten Fällen politischer Haft in der Bautzner Straße auseinander. Dabei können sich die Jugendlichen für Schicksale aus einem der vier Jahrzehnte DDR-Geschichte entscheiden und diese an Multi-Media-Stationen erkunden. Immer deutlicher wird, wie drei Prinzipien – Desorientierung, Isolation und Überwachung – die Stasi U-Haft bestimmen.

medienstation_fb2

medienstation_fb

Nach so viel Input ist es an der Zeit, auf das Ausbildungsziel hinzuarbeiten, nämlich selbst eine Gruppe v.a. Gleichaltriger kompetent durch die Gedenkstätte führen zu können. Also lernen wir, wie wir nach außen mit Körper und Stimme wirken können und üben Abschnitte der Führung, um uns gegenseitig Tipps zu geben.

_DSC3853

Bevor es ab der nächsten Woche um kreative Perspektiven auf des Gelernte und Erlebte geht, hören wir noch einmal einen Zeitzeugen über politisches Anecken in der DDR und mit dem MfS berichten. Das bedeutete allzu oft Überwachung und führte zu politischer Repression und Haftstrafen – aber wir hören auch von kleinen und (spätestens im Herbst 1989) großen Erfolgen gegen die politische Engstirnigkeit der SED und die Stasi, deren selbsternanntes Schild und Schwert.

Trotz dieses Ausblicks konzentrieren wir uns weiter auf den Schwerpunkt der Unterdrückung politischer Gegner, wobei Haft und Verhöre zu den schärfsten Mittel gehörten. Besonders gespannt sind wir nun, wie sich mit künstlerischen Mitteln ausdrücken lässt, was wir über Verhaftung, Aufnahme in die U-Haft, Haftalltag und Verhör erfahren haben.

ausschnitt_einweisung

ausschnitt_vernehmung

Projektbericht 3. Maßnahme

Projektbericht 3. Maßnahme

Mit der Abschlusspräsentation der dritten Maßnahme, am 17. Dezember 2015, endete das erste „Angeeckt“-Projekt in der Gedenkstätte Bautzner Straße.

Anhand von Zitaten aus den Auswertungsbögen der Teilnehmer/innen lassen sich die Projektbausteine herausarbeiten, die für das Gelingen des Projektes maßgeblich waren. Daneben war für die Kontinuität und Verbindlichkeit der Durchführung aller Maßnahmen die gute Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Jugendclubs und der Schulen sehr hilfreich.

…die perfekte Kombination aus kreativer Gestaltung und geschichtlichen Kenntnissen.

Kunst und Geschichte
Die Teilnehmer/innen erschlossen sich die Geschichte des historischen Ortes mit unterschiedlichen künstlerischen Mitteln. Mit Hilfe kreativer Ausdrucksformen wurde Jugendlichen, die bis dato wenig Interesse für das Thema DDR-Geschichte besaßen, ein Zugang zur jüngeren Zeitgeschichte geschaffen. So war es den Teilnehmern/innen auch möglich eine individuelle Perspektive auf die Vergangenheit einzunehmen.

Bei der dritten und letzten Maßnahme fand sich eine Theatergruppe zusammen. Unterstützt von einer Theaterpädagogin erarbeiteten sich die Jugendlichen mögliche Fragestellungen aus der Geschichte der Stasiuntersuchungshaftanstalt, die Interpretationsspielraum für das szenische Spiel ließen. Alle waren schnell einig darüber, sich mit der besonderen Situation des „Verhörs“ auseinanderzusetzen. Durch die historischen Workshops wussten die Teilnehmer/innen, dass das Verhör als Mittel der Erniedrigung und Willkür von der Staatssicherheit eingesetzt wurde. Die Schwierigkeit bestand darin, die zentralen Begriffe einer Verhörsituation „ Macht“ und „Ohnmacht“ auch ohne Worte darzustellen, wozu sehr viel Körpersprache nötig war. Als Spielort wurde bewusst das Hafthaus gewählt, um sich der historischen Situation anzunähern.

Die Kursleiter waren sehr freundlich!

Das Team
Für die künstlerischen Workshops wurden Kursleiter engagiert, die mit ihren jeweiligen Kompetenzen die praktische Seite der Workshops abdeckten. Teilweise wurde sie dabei von Ehrenämtlern unterstützt. Die Auswahl der Kursleiter erfolgte nach fachlichen und persönlichen Aspekten. So wurde beispielsweise nach deren Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gefragt sowie danach, ob sie in der Lage sind, ihre eigenen Qualitätsansprüche hinten anzustellen, zugunsten von Lerneffekt und Freude am Tun der Teilnehmer/Innen. Alle Gruppen- und Kursleiter bekamen von den Jugendlichen „Bestnoten“.

Mich hat beeindruck, dass es doch viele Menschen gab, die gegen die damalige Politik waren und dagegen gekämpft haben, obwohl sie Konsequenzen haben konnten.

Zeitzeugen
Der obige Satz ist das Resümee einer Teilnehmerin nach einem Zeitzeugengespräch. In jeder der drei Maßnahmen wurden ehemalige Häftlinge eingeladen. Die Gespräche waren für die Teilnehmer/innen sowohl informativ als auch berührend. Die Zeitzeugen berichteten dabei nicht nur über ihre Erlebnisse in der Untersuchungshaftanstalt sondern allgemein über ihr Leben in der DDR. Da viele der Schilderungen von der Jugend der Zeitzeugen erzählen, fanden die Jugendlichen immer wieder Bezüge zu ihrer eigenen Lebenswelt.

Aufgrund der Ambivalenz von Zeitzeugengespräche als Quelle für historische Ereignisse wurden die Gespräche von den Gruppenleitern eingeführt und begleitet.

…man ist näher dran, als in den Geschichtsbüchern…

Exkursionen
In den Augen der Jugendlichen waren die Exkursionen ein wichtiger Bestandteil des Projektes. In der der ersten und zweiten Maßnahme besuchten die Teilnehmer die Justizvollzugsanstalt Dresden. Auf der Grundlage der Erläuterungen vor Ort verglichen sie die Haftgründe und Haftbedingungen heute mit denen der Untersuchungshaftanstalt der Staatsicherheit.

Auch der Besuch des DDR-Museums in Dresden –Radebeul gehörte beinah obligatorisch zum Projekt. Hier konnten die Teilnehmer/innen vieles von dem entdecken, was sie aus den Erinnerungen und Anekdoten ihre Eltern kannten und somit ihr Bild der DDR-Gesellschaft differenzieren.

Das war aufregend!

Abschlusspräsentation
Höhepunkt der drei Maßnahmen war jedes Mal die Präsentation der Ergebnisse. Dazu zählte die Vorstellung der entstanden Kunstwerke sowie eine Führung im Hafthaus durch die Teilnehmer/innen. Diese Ergebnisorientierung der einzelnen Maßnahmen motivierte die Jugendlichen kontinuierlich teilzunehmen und sich einzubringen. Die Gedenkstätte konnte durch die Veranstaltungen neue Zielgruppen erreichen. So besuchten einzelne Jugendliche noch Wochen später gemeinsam mit ihren Eltern die Gedenkstätte. Zudem entstand durch das Projekt ein neuer Ausstellungsteil. Ausgewählte Filme, Grafiken und Fotos der Angeeckt-Teilnehmer/Innen werden nun dauerhaft gezeigt.

 

 

Projektpräsentation am Donnerstag, 17. Dezember 2015, 18 Uhr

Von September bis Dezember 2015 beschäftigten sich über 40 Schüler mit dem Thema Stasi-Haft in zwei Filmkursen, einem Theater-, Hörbuch-, Kunst- und Layoutkurs. Kennzeichnend für »angeeckt.« ist der pädagogische Ansatz – „Schüler lernen von Schülern“. Hierfür wurden Gruppenleiter in mehreren historischen sowie medial-sozialen Workshops ausgebildet, die anschließend Gleichaltrige durch die Gedenkstätte führten. Abschließend arbeiteten die Schüler an Ergebnissen für die neue Ausstellung des dritten Projektdurchlaufes.

Im Mittelpunkt des Abends steht die kurze Theateraufführung der Schüler. Darüber hinaus skizzieren die Projektbetreuer Cilly Zimmermann und Heiko Neumann den Projektablauf anhand einer Fotodokumentation. Weiterhin werden die entstandenen Filme und Hörbücher vorgestellt sowie die Kunstausstellung in den Räumen der Gedenkstätte eröffnet. Schüler, Eltern, Lehrer und Interessierte sind herzlich willkommen.

Der Eintritt ist frei.

 

Freigang des sowjetischen Haftkellers

Termine für kostenfreie Führungen und Workshops

Liebe Schüler, Lehrer und Multiplikatoren,

die Termine für die Führungen und Workshops stehen fest. Die Teilnahme ist kostenlos, Fahrkosten werden übernommen, ein kleines Abendbrot wird gestellt. Wir bitten jedoch vorher um eine kurze Anmeldung: info@bautzner-strasse-dresden.de oder 0351 646 54 54.

Führungen (eingeteilt nach Kursen):

Theater: 28.10. (Mi)

Kunst: 4.11. (Mi)

Soundtracks: 9.11. (Mo)

Layout: 9.11. (Mo)

Film 1: 10.11. (Di)

Film 2: 23.11. (Mo)

Workshops (eingeteilt nach Kursen) :

Theater: 11.11. (Mi)

Soundtracks: 16.11. (Mo)

Layout: 16.11. (Mo)

Film 1: 24.11. (Di)

Film 2: 1.12. (Di)

Kunst: 9.12. (Mi)

Führung der Gruppenleiter durch einen Zeitzeugen
Führung der Gruppenleiter durch einen Zeitzeugen