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„Zum Tode verurteilt“. Interview mit Herrn Dr. Lange

2012
10.19

Am 11. September war Herr Dr. Lange zum Zeitzeugeninterview in der Gedenkstätte Bautzner Straße. Er kam direkt aus dem Militärhistorischen Museum Dresden, dem er einen seltenen Druck zum sog. „Ostfeldzug“ 1941 übereignet hat. Wir kamen somit gleich ins Gespräch über unsere Lebensgeschichten und erzählten, warum wir uns für das Thema interessierten. Begleitet wurde er von seiner Frau, Dr. A. Volle, die ihm dank ihrer fachlichen Kompetenz stets helfend zur Seite stand.

Herr Lange erzählte zu Beginn von einigen negativen Interviewerfahrungen. Seine Ansprüche an ein Interview waren mir daher bewusst. Aber ich hoffe sehr, dass ich sie erfüllen konnte.

Auch ich war positiv von Herrn Lange überrascht. Es ist sehr spannend ein Interview mit jemandem zu führen, der die Erzählung über seine Erfahrungen weitertragen möchte, auch wenn diese Erfahrungen aus einem sehr dunklen Kapitel der Vergangenheit stammen. Herr Lange wurde damals von der sowjetischen Besatzungsmacht zum Tode verurteilt. In einer der vielen Todeszellen des berüchtigten Butyrka-Gefängnis in Moskau wartete er auf die Vollstreckung des Urteils, als ihn eine glückliche Wendung des Schicksals erlangte. Herr Lange wurde begnadigt und sein Todesurteil in 25 Jahre Zwangsarbeitslager umgewandelt. Bis heute konnte die historische Wissenschaft noch nicht vollends klären, nach welchen Kriterien man damals begnadigt wurde. Auch Herr Lange konnte meine Frage diesbezüglich nur mit einem Achselzucken beantantworten.

Ansonsten wurde jede Frage, die ich gestellt habe, von Herrn Lange ausführlich beantwortet, so dass wir nun sehr viel Material zum Auswerten haben. Da Peer Lange sich nicht nur als Zeitzeuge, sondern auch als Historiker sehr mit dem Thema befasst hatte, konnte er seine persönlichen Erlebnisse immer in einem größeren Zusammenhang erklären. Ich glaube, das hat das Interview sehr gehaltvoll gemacht.

Sowohl er als auch wir hatten eine Vielzahl an historischen Fachbüchern und sogar Quellen zur Hand, mit denen wir uns im zweiten Teil des Interviews beschäftigt haben. Insgesamt hat das Interview gute 90 Minuten gedauert und anschließend haben wir gemeinsam den Fuchsbau und damit die Ergebnisse des ersten BEDENKEN-Projekts besichtigt.

Autor: Marc René Schwerhoff

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