Archiv für Februar, 2013

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Speziallager


04.02.
2013

Speziallager waren in der DDR ein Tabuthema unter vielen. Doch auch noch nach der Wende ist den Meisten wenig über dieses Thema bekannt. In der sowjetischen Besatzungszone wurden insgesamt zehn Speziallager für die Internierung von NS-Funktionären und Kriegsverbrechern eingerichtet. Dies geschah 1945 durch den NKWD-Chef Lawrentij Berija, der mit dem Befehl Nr. 00315 die Grundlage für die Internierung von Funktionsträgern des NS-Regimes schuf. Die Verhaftungen gingen jedoch weit über das Ziel der Entnazifizierung hinaus, denn der Befehl war so pauschal formuliert, dass jeder hätte eingesperrt werden können. Und so internierte man die Menschen ohne richterliche Prüfung und ohne Unterscheidung der tatsächlichen Funktion im NS-System. Die sowjetische Besatzungsmacht konnte so leicht „politisch unliebsame“ Personen „wegsperren“. Eine Internierung hatte fatale Folgen, denn obwohl die Speziallager weder Vernichtungs- noch Arbeitslager waren, starb ca. ein Drittel der Häftlinge während ihrer Haftzeit. 1946 wurde zusätzlich ein Teil der SMT-Verurteilten in die häufig schon stark überfüllten Speziallager eingewiesen. An der Verhaftungspraxis änderte auch die Direktive Nr. 38 des Alliierten Kontrollrats nichts, wonach zwischen aktiven und nominellen Mitgliedern der NSDAP unterschieden werden sollte. So ist ca. ein Drittel aller Verhaftungen nicht auf eine Tätigkeit im NS-Regime zurückzuführen.

Ein Großteil der Speziallager wurde 1947 aufgelöst, nur Buchenwald, Sachsenhausen und Bautzen blieben bestehen. Eigentlich waren große Deportierungen nach Sibirien zu Arbeitseinsätzen geplant, die aufgrund der starken Unterernährung der Häftlinge nicht realisierbar gewesen wären. Neben der miserablen Versorgung mussten die Insassen noch mit weiteren Repressalien kämpfen. So wurden sie ohne eine  Benachrichtigung der Angehörigen interniert und es war ihnen aufgrund der Briefzensur u.a. verboten, über ihren wahren Gesundheitszustand zu berichten. Um die Zensur zu umgehen, konnte man aber einen Trick anwenden und den eigenen Gesundheitszustand mit dem eines toten Bekannten, von dem die sowjetischen Kontrolleure nichts wussten, vergleichen. Auch nach ihrer Entlassung waren die Häftlinge zum Schweigen verurteilt. Bei der Auflösung der 3 letzten Speziallager im Jahre 1950 wurde ein Großteil entlassen. Etwa 3500 wurden bei den “Waldheimer Prozessen” in Schnellverfahren von der DDR-Justiz zu weiteren Haftstrafen verurteilt. Jene, die bereits von einem SMT verurteilt wurden, wurden zur Verbüßung ihrer Strafe zusätzlich dem MdI der DDR übergeben. Dabei handelte es sich um mehr als 10.000 Menschen.

Quelle: http://www.politische-bildung-brandenburg.de/publikationen/pdf/nkwd.pdf (Jörg Morré: Einleitung – Sowjetische Internierungslager in der SBZ)

Speziallager Bautzen, "Gelbe Elend"

Autor: Thorben Richter

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Exkursion nach Bautzen im Dezember letzten Jahres


04.02.
2013

Ende vergangenen Jahres unternahmen die Teilnehmer des BEDENKEN Projekts eine Exkursion an die Gedenkstätte Bautzen. Ziel der Exkursion war es, sich am authentischen Ort mit der Thematik der Speziallager, insbesondere dem Speziallager Bautzen, aktiv auseinanderzusetzen. Authentischer Ort ist jedoch nicht ganz richtig. Denn an dem Ort der heutigen Gedenkstätte existierte kein Speziallager, sondern ein sowjetisches Untersuchungsgefängnis, das später die Volkspolizei der DDR bis 1990 als von der Stasi kontrollierte Strafvollzugseinrichtung führte. Das eigentliche Speziallager, „Gelbe Elend“ genannt, befand sich am Rande der Stadt Bautzen und wird heute noch als Justizvollzuganstalt genutzt. Ein Ausstellungsteil innerhalb der Gedenkstätte ist jedoch dem Speziallager gewidmet. Bei den Schülern führte diese räumlich Trennung zunächst zu kleinen Verwirrungen, aber innerhalb des 3stündidigen Workshops konnten diese schnell geklärt werden. Daneben beschäftigten sich die Teilnehmer anhand ausgewählter Haftschicksale mit den Haftbedingungen und  Lebenswegen von ehemaligen Inhaftierten des Speziallagers Bautzen. Auch wenn die Teilnehmer u.a. durch ihre Erfahrungen mit Zeitzeugen einen viel tieferen und intensiveren Zugang zu dieser Thematik besitzen als gleichaltrige Mitschüler und Freunde, so wurden sie doch mit sehr viel neuen Dingen konfrontiert, die das grausame Vorgehen des sowjetischen Repressionsapparates dokumentieren. Wir bedanken uns recht herzlich bei den Mitarbeiten der Gedenkstätte Bautzen für den sehr interessanten Workshop, dessen Eindrücke eine wichtige Grundlage für zukünftige Interviews sein werden, in denen die Teilnehmer auch wieder die Frage nach den Angehörigen von ehemals Inhaftierten stellen werden, deren Liebsten von einem auf den andern Tag spurlos in sowjetische Gefängniszellen verschwanden.

Wegweiser zu GedenkstätteEingang zur Gedenkstätte

Workshoparbeitselbständiges Arbeiten in der AusstellungHörstele in einer rekonstruierten ZelleAbschlussfoto