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Exkursion nach Sachsenhausen

2013
06.05

„Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten….“

Ich habe das Lied immer noch im Ohr, denn ich hörte es aus dem Munde eines Überlebenten des Konzentrationslagers in Sachsenhausen. Wahrscheinlich kennt der Eine oder Andere das Moorsoldatenlied, jedoch ohne damit ein bestimmtes Gefühl zu verbinden. Auch wenn wir uns nicht wirklich vorstellen können, was die inhaftierten Menschen in dem Lager zur Zeit des Nationalsozialismus (Konzentrationslager) und der Sowjetischen Besatzungszeit bzw. frühen DDR (Speziallager) erlebt haben, so verbinde ich mit den Strophen des Liedes nun eine ganz konkrete Empfindung.

Als wir gemeinsam an einem Freitagnachmittag des vergangenen Monats mit dem Zug von Dresden in Richtung Oranienburg aufbrachen, um die Gedenkstätte und das Museum Sachsenhausen zu besuchen, hatten wir sehr unterschiedliche Vorstellungen, was uns erwarten würde. Nach unserer Ankunft in der Jugendherberge Sachsenhausen, die sich in direkter Nähe zur der Gedenkstätte befindet und als ehemaliges Wohnhaus des Generalinspekteurs aller Konzentrationslager heute als internationale Jugendbegegnungsstätte genutzt wird, sprach noch am selben Abend der Filmkurs, der die Exkursion vor allem dokumentarisch begleitete, mit einigen Teilnehmern darüber, was sie auf dem Gelände der Gedenkstätte Sachsenhausen erwarten würde. Ich glaube die Spannung lag in der Aufarbeitung und dokumentarischen Darstellung zweier unterschiedlicher Lager und der Versuch zu verstehen, worin eigentlich der Unterschied in den beiden Lagern lag. Viele besuchten zum ersten Mal ein ehemaliges KZ bzw. Speziallager und wussten gar nicht, ob und wie sehr sie solch ein Ort berühren würde.

Unsere Führung begann am Samstagmorgen in der Jugendherberge. Wir liefen als Gruppe durch das Gelände des ehemaligen KZ. Bereits von weitem sahen wir einen Turm, auf dessen Fassade rote Dreiecke angebracht waren. Zu DDR-Zeiten prägte er als Wahrzeichen die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen, wie das ehemalige KZ-Gelände damals hieß. Später erfuhren wir, dass jeder Häftling in einem KZ solch ein Dreieck auf seiner Häftlingskleidung tragen musste. Je nach Verhaftungsgrund eine entsprechende Farbe. Die roten Dreiecke standen für „politische Staatsgegner“. Daneben gab es aber auch noch viele andere Häftlingsgruppen, deren Farben auf dem Turm jedoch nicht auszumachen waren. Die DDR kaschierte somit, dass auch Häftlinge aus anderen Gründen, z. B. europäische Juden, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, Kleinkriminelle, evangelische und katholische Geistliche, Sinti und Roma, sogenannte Asoziale, Kinder aus den Medizinexperimenten und Sozialdemokraten hier eingesperrt wurden.

Durch zwei tschechische Zeitzeugen, die im KZ gefangen waren, wurde mein Bild von den Lebensumständen eindrücklicher und bedrückender. Zwei Leute aus dem Filmkurs konnten den zweiten Zeitzeugen interviewen und er erzählte ausführlich über sein Leben im KZ. Als er am Ende noch zwei Lieder sang, die er von  deutschen, politischen Häftlingen gelernt hatte, konnte ich für einen Augenblick wirklich die Stimmung mitfühlen. Man weiß nicht, wie viel Wissen über solche grausamen Umstände man überhaupt aufnehmen kann.

Aus der Zeit des KZ stehen noch zwei Baracken, die den Lebensraum der Häftlinge darstellen. Zum Speziallager erfuhren wir in der Führung, dass die Gründe der hohen Todesraten keine Morde waren, wie im KZ, sondern dass die Menschen erfroren und verhungerten. Wir hätten uns gerne noch mehr mit der Thematik des Speziallagers beschäftigt, doch es fehlte die Zeit, alles zu erfassen. Es gab zu dem Speziallager einen eigenen Bereich und eine Ausstellung, die sich viele genauer anschauen wollten. Gerade weil die Eindrücke vor Ort noch mehr Interesse weckten, hätten wir gern noch mehr Zeit gehabt, um mehr zu erfahren.

Autorin: Helene Nowitzky

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